Montag, 18. Januar 2010 um 14:00
Bayernliga: Den SVM will eine Bereicherung bleiben

Zwischenbilanz - Der Aufsteiger SV Memmelsdorf ist in der Fußball-Bayernliga zu einer festen Größe gereift. Nach wie vor geht es jedoch für den 15. der Tabelle darum, nach der Winterpause im Rennen um den Klassenerhalt zu bestehen.

 
Auch in der Bayernliga lässt der Memmelsdorfer Torjäger Mario Meth (l.) die Konkurrenz - in diesem Falle den Frohnlacher und Ex-Memmelsdorfer Matthias Weller - alt aussehen.


Memmelsdorf - Eitel Sonnenschein hatte geherrscht während der gesamten Landesligasaison 2008/09 über der Schmittenau, der Heimstatt des SV Memmelsdorf. Die Runde fand mit der überraschenden Meisterschaft ihre Krönung. Sich der Schwere der kommenden Aufgaben ihrer Fußballer bewusst, blickten die Verantwortlichen um Spielleiter Bernd Kauder und das Trainergespann Norbert Schlegel/Manfred Distler dem Neuland Bayernliga entgegen. Sie ließen sich durch die Niederlagenserie zum Saisonauftakt keinesfalls entmutigen, bauten vereint auf die Weiterentwicklung des Teams und wussten um dessen Eingewöhnungsphase. In der Winterpause steht der SVM mit 22 Punkten und 24:35 Toren auf dem 15. Tabellenrang, dem Schleuderplatz.

Vier unglückliche Niederlagen am Stück zerrten ungewohnt am Nervenkostüm der Akteure. Nach dem spielfreien fünften Spieltag stand das erste Kellerderby auf dem Programm. Zu Gast in Memmelsdorf war die TSG Thannhausen, gegen die ein 3:1 bis zur 79. Min. nicht ausreichte – ein Foulelfmeter unmittelbar vor dem Abpfiff brachte das 3:4. Der SVM war als einziges Team noch ohne Punktgewinn.

Doch nun offenbarten sich die Fähigkeiten des Chefcoaches Norbert Schlegel und seiner Mitstreiter einmal mehr. Mit akribischer Kleinarbeit, aufwendigen taktischen Trainingseinheiten sowie psychologischem Fingerspitzengefühl holte die Führungscrew die verunsicherten Fußballerseelen ins Boot zurück. Wie in den Partien zuvor gerieten die Memmelsdorfer auch gegen den FC Seligenporten in Rückstand, doch Torjäger Mario Meth sorgte mit drei Treffern für den langersehnten Dreier (3:1). Es folgte ein 0:3 beim TSV Aindling, und schon war der Druck wieder da. Als krasser Außenseiter schlug der SVM den FC Ingolstadt II mit 2:1 und übergab den letzten Platz an den FC Bad Kötzting.

Im Aufsteigerduell beim SV Schalding/Heining gab es nichts zu holen (1:3), doch dann stand der erste Bayernliga-„Dreier“ in der Fremde zu Buche. Das 1:0-Siegtor markierte Youngster Tobias Seifert. Auch das 0:0 gegen die SpVgg Unterhaching II steigerte das Selbstvertrauen weiter. Es war offensichtlich nicht mehr so einfach, gegen den SV Memmelsdorf Tore zu erzielen. In punkto Cleverness und taktischer Raffinesse hatten die Fußballer mächtig zugelegt.

Unter Beweis stellte es der SVM auch mit dem 1:0 im Derby bei der SpVgg Bayreuth. Unfreiwillig musste der SVM dann passen. Der DFB-Toto-Pokal störte den Rhythmus spürbar, wenngleich das Match beim Landesligisten DVV Coburg mit 4:2 gewonnen wurde. Das Heimspiel gegen den TSV 1860 Rosenheim musste deshalb ausfallen und wird erst am Ostermontag (5. April) nachgeholt. Das hart erkämpfte 1:1 beim Tabellenletzten FC Bad Kötzting stellte Goalgetter Meth mit seinem Treffer drei Minuten vor Schluss sicher. In der Folge setzte es die vermeidbare 0:1-Heimniederlage gegen den FSV Erlangen-Bruck. Bei der zu diesem Zeitpunkt heimstärksten Truppe des TSV Buchbach setzten Meth & Co. mit ihrem 2:1-Sieg ein Ausrufezeichen.

Der Aufwärtstrend sollte sich fortsetzen. Ein 1:1 luchsten die Memmelsdorfer dem haushohen Favoriten aus Rain am Lech ab. Erstmals rangierte der Aufsteiger nun auf einem Nichtabstiegsplatz. Rang 14 galt es im Duell mit dem zwei Zähler schlechter postierten TSV Großbardorf zum Abschluss der Vorrunde zu verteidigen. Nach einem 0:2-Rückstand gelang noch ein 2:2.

Gegen die Teams aus Memmingen, Hof und Frohnlach setzte es wie in der Vorrunde dann Niederlagen. Vor allem das 2:3 in Frohnlach schmerzte sehr. Der Heimsieg unter Neu-Trainer Thomas Hüttl katapultierte den VfL auf Rang 14 und den SVM auf den Schleuderplatz. Das 1:1 gegen den FC Ismaning im letzten Heimspiel des Jahres sorgte für den erhofften Befreiungsschlag und das Gleichziehen mit dem VfL Frohnlach.

Bei SVM-Spielleiter Kauder überwiegt die Zufriedenheit. Auch eine Portion Stolz ist nicht zu überhören: „Wir sind als Aufsteiger mit unseren relativ bescheidenen Mitteln als krasser Außenseiter in die Bayernliga gestartet. Die Zielsetzung konnte dementsprechend auch nur sein, fünf Mannschaften hinter uns zu lassen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Wir mussten mit Torwart Manfred Distler und dem Allrounder Thomas Kotissek zwei Spieler ersetzen, die große Lücken hinterließen. Für diese sicher nicht leichte Aufgabe wurden Christian Bergmann und Tobias Stumpf verpflichtet.

Tobias Wichert musste sich die ganze bisherige Saison mit hartnäckigen Verletzungen herumplagen. Mit Claus Christmayr und Tobias Haderlein sind uns verletzungsbedingt und mit Marco Müller studienbedingt drei Defensivkräfte dauerhaft ausgefallen. Wichtig war, dass wir in dieser Phase mit Dominik Kauder auf einen weiteren Defensivspieler zurückgreifen konnten, der sich nach längerer beruflicher Pause wieder herangearbeitet hatte. Sehr erfreulich ist, das unser Youngster Tobias Seifert auf Anhieb gut eingeschlagen hat und bereits siebenmal als Torschütze erfolgreich war. Beachtlich ist natürlich auch, dass Mario Meth nach anfänglicher Ladehemmung mit seinen zwölf Treffern in der Torschützenliste schon wieder ganz vorne mit dabei ist.

Trotz eines schwachen Saisonstarts haben wir im Moment eine Situation, die es uns auch nach der Winterpause immer noch ermöglicht, die Klasse zu erhalten. Wenn man die Ausgangssituation realistisch betrachtet, können wir deshalb mit dem bisherigen Abschneiden auch sehr zufrieden sein, wenngleich der eine oder andere Punkt, gerade zu Hause, sicher mehr zu holen gewesen wäre. Sehr variabel sind wir in den Spielsystemen. Die Mannschaft profitiert hier enorm von der taktischen Schulung der Trainer, deren hervorragende Arbeit ich gerne hervorheben möchte.

Egal ob wir ein 4-4-2 – flach oder Raute –, ein 4-2-3-1 oder ein 4-1-4-1 spielen, hier sind wir sehr flexibel und werden lediglich durch verletzungsbedingte Ausfälle eingeschränkt. Sollten wir nach der Winterpause das berühmte nötige Quäntchen Glück haben und von größeren und längeren Verletzungen verschont bleiben, glaube ich, dass wir tatsächlich eine gute Möglichkeit haben, die Klasse zu erhalten. Würde es zum Ende langen, wäre es sicher ein toller Erfolg. Entscheidend wird wohl sein, dass wir es schaffen, zu Hause stabiler aufzutreten. Neun Punkte aus zehn Heimspielen sind einfach zu wenig. Dagegen können sich die 13 Punkte aus elf Auswärtspartien jederzeit sehen lassen. Wichtig wäre für uns sicher auch eine noch stärkere Unterstützung von den Zuschauerrängen. Mit dem zwölften Mann im Rücken, gelingt es uns sicher etwas leichter, die nötigen Punkte einzufahren. Wir heißen jeden Zuschauer in der Schmittenau herzlich willkommen.“

Am 27. Februar heißt es zunächst für Coach Schlegel, seine Mannen nach sechswöchiger Vorbereitung (Trainingsauftakt ist am 18. Januar) topfit im Thannhausener Mindelstadion zu präsentieren, um Revanche für das bittere 3:4 zu nehmen. Die Memmelsdorfer wollen dafür sorgen, dass Spielleiter Jürgen Faltenbacher mit seiner Feststellung Recht behält: „Memmelsdorf ist eine Bereicherung für die Bayernliga.“